Initiative Haubrich-Forum too late Das Loch European Kunsthalle

Der schöne Josef Erwin Zander

02.06.2002. Telefoninterview mit Erwin Zander. Erster Vorsitzender des Kölnischen Kunstvereins von xxxx bis xxxx.

Erwin Zander: Der Raum für den Kunstverein zum Beispiel ist ideal, aber nicht nur die Tatsache spricht gegen den Abriss, sondern auch die Tatsache, dass eine Tradition abgerissen wird. Schließlich haben in dieser Kunsthalle und im Kunstverein Ausstellungen stattgefunden, die - ich würde sagen - welt-bewegend waren. Es war der Druck vom Rautenstrauch-Joest-Museum, in erster Linie von dem Vorsitzenden der Fördergemeinschaft, der auch als - wie heißt das - fachkundiges Bürgermitglied in dem Kulturausschuss sitzt, das ist Herr Ludwig Theodor von Rautenstrauch, und der hat entsprechenden Rückhalt auch bei der CDU gefunden und auch - da war natürlich die Einigkeit - mit der SPD. Es ging darum für dieses neue Museum einen neuen Standort zu bekommen. Das war zunächst vorgesehen an der Markmannsgasse und ist dann aber wegen Gründen, die ich nicht mehr recht in Erinnerung habe, wegen der Kosten für diesen Neubau an der Markmannsgasse - vermutlich ist das dann gestorben. Dann kam die Überlegung, ein neues Museum für das Rautenstrauch-Joest-Museum an der Stelle der Forumsbauten der Volkshochschule zu errichten - aber schließlich, wieder doch wesentlich auf Betreiben von Herrn von Rautenstrauch, die Stellung auf den gesamten Platz. Das ist dann so gelaufen, dass die Verwaltung - in vorderster Linie die damalige Kulturdezernentin Frau Dietrich von Wehring - diese Frage, ob das erhalten bleiben sollte oder nicht, ziemlich klar als nicht erhaltenswürdig deklariert hat. Das war wohl sicher auch nicht nur die Kulturdezernentin, sondern eben vor allen Dingen das Hochbauamt, das der Meinung war, dass man mit diesen Gebäuden eigentlich nur hohe Sanierungskosten hätte und sonst nichts anfangen könnte und das war so ein bisschen die Tendenz. Gefragt worden sind wir überhaupt nicht, weder in der Sache noch in den Inhalten. Sogar auf meine Frage, ob die Kunsthalle wieder in Betrieb genommen werde, sagte mir damals Frau Dietrich von Wehring: also, wenn ich daran dächte, dass da vielleicht wieder ein Direktor sei, das wäre also völlig ausgeschlossen. Damit war das Projekt Kunsthalle oder die Bedeutung der Kunsthalle sozusagen negiert.

Der Kunstverein hat natürlich keine Möglichkeit gehabt, auf das Programm des Wettbewerbs Einfluss zu nehmen. Der hat nur seine Forderungen stellen dürfen, alles andere war nicht gewünscht. Das muss ich Ihnen ehrlich sagen, ich bin da im Augenblick selber im Zweifel, ob wir das einfach so hingenommen haben oder uns gefügt haben. Dass wir nicht gefragt wurden, war schon klar. Aber das heißt ja nicht, dass man dann eben einfach ja sagt. Ich kann's nicht mehr sagen.

Zwischendurch war eine Ausstellung gewesen, die hat deutlich gemacht, dass dieses Gebäude doch eigentlich wertvoll ist, aber mehr ist da nicht gewesen. Das ist vollkommen richtig. Das ist also genau das - also, als ich das hörte bei dem Film, dachte ich, mein Gott, ja, das war's auch. Es ist niemand gefragt worden. Es waren die Stadtoberen, die von sich aus dem Drängen des Rautenstrauch-Joest-Museums eigentlich Rechnung tragen wollten. Man hat das in mehreren Beschlüssen dann auch festgelegt. Dass es gleichzeitig mit dem Wallraf-Richartz-Museum gebaut werden sollte, war ja auch ein solcher Beschluss, um endlich das Rautenstrauch-Joest-Museum zur Ruhe zu bringen. Die hatten ja auch immer die Möglichkeit, mit ihren schlechten Depoträumen, mit ihren Hochwasser gefährdeten Depoträumen zu argumentieren, obwohl inzwischen die Depoträume gar nicht mehr notwendigerweise im selben Haus untergebracht werden müssten, nachdem wir die ganze Geschichte auf EDV machen. Es war irgendwann geboren, dass dieses Museum gebaut werden müsste, weil es eben im Ubierring nicht gut wäre. Natürlich spielte dabei eine Rolle, dass der Ubierring so weit weg lag. Deswegen waren ja auch Überlegungen angestellt worden, das an der Markmannsgasse zu machen und auch zwischenzeitlich sogar Überlegungen, es möglicherweise in Groß St. Martin unterzubringen. Das waren aber alles so Eintagsfliegen und die Sache mit der Markmannsgasse ist schon eine sehr ausgeprägte Planung von Herrn Böhm gewesen. Es hieß dann, dass man kein Geld für die Sanierung bekäme, was ja gelogen war. Denn es gibt genauso Geld für die Sanierung und den Anbau und Erweiterung von kulturellen Bauten wie es für Neubau gibt.

Das dürfen sie mir ruhig zur Schuld anlasten, dass ich in dem Moment nicht darüber nachgedacht habe, was das heißen könnte, wenn man das Ganze jetzt im Protest macht. Der Kunstverein war wahrscheinlich auch nicht danach besetzt oder...Was soll man sagen? Wie waren die personellen Voraussetzung dafür, einen Protest noch zu formulieren? Der Vorstand hat sich ja davon distanziert. Gelder entziehen kann ja die Stadt immer. Das ist klar. Aber das würde ihr schwer fallen, weil das Geld, was der Kunstverein von der Stadt bekommt, sowieso das Minimum ist. Nein, da ist also nichts mehr zu machen. Natürlich gibt es Ärger mit der Kulturdezernentin, die außerdem im Vorstand ist. Das heißt, sie ist erst als Dezernentin da reingekommen. Ich meine, dass Strodthoff, der ja jetzt heute - glaube ich - geschrieben hat oder gestern, hin- und hergerissen ist, weil, er hat bei dem Wettbewerb damals ganz anders und lobend über diese Arbeit gesprochen. Er differenziert jetzt seine Meinung etwas - wahrscheinlich hat er eingesehen, dass es doch nicht der große Wurf ist. Ich bin aber der Meinung, dass Strodthoff auch kaum etwas gegen dieses Bauvorhaben sagen kann, weil der oberste Herr der Meinung ist, oder wahrscheinlich der Meinung ist, ich kann es nicht beschwören, aber dass das eine Sache ist, die gemacht werden muss. Also, Strodthoff wird auf jeden Fall nicht die Freiheit bekommen, dagegen zu sprechen.

Der Synergieeffekt, der dort behauptet wird oder erwartet wird, ist wahrscheinlich so leicht nicht zu erreichen, weil die Städtischen Strukturen dominieren, d.h. der bürokratische Umgang mit allen möglichen Fragen steht im Vordergrund. Wir haben ja diese Möglichkeiten zur Kooperation im jetzigen Gebäude durchaus gehabt und haben sie nicht wahrnehmen können, weil eben der Herrschaftsanspruch der städtischen Einrichtungen uns daran gehindert hat. Mit der Kunsthalle hat es immer Probleme gegeben, weil da kein Direktor mehr war. Da waren ja so materne Leute zuständig, die da das Sagen hatten, die Hausmeister und ähnliches, die dann eben daran hinderten. Aber früher schon, viel, viel früher also, vor 20 Jahren schon war es noch nicht mal möglich, den Eintrittskartenverkauf gemeinsam zu machen. Die hatten da einen Schalter, und unser Eingang war ja auch da, und das ließ sich nicht lösen. Das waren also Bedingungen, die wir nicht auch übernehmen konnten. Daraufhin haben wir dann unter der Frau Stockebrand den Eingang an die Cäcilienstraße verlegt und haben dann natürlich einen ganz anderen Zugang gehabt.

Es geht ja noch weiter. Das hat man auch verkommen lassen, baulich verkommen lassen. Das ist ja die Methode, mit der man dann schließlich auf Abriss zielt. Das sind die Politiker gewesen, die haben gesagt: nein, also das brauchen wir nicht, das wird.... Das ist ja auch - das muss man übrigens wissen - ursprünglich als das Schaufenster der Museen gedacht gewesen, d.h. da sollten die Museen ihre großen Ausstellungen machen. Das ist bisher nur wahrgenommen worden, ja, das ist schon mal vom Museum Ludwig wahrgenommen worden, vom Wallraf-Richartz-Museum und dann kriegten die ja ihre eigenen Häuser, ihre eigenen Wechselausstellungsräume und dann ließ das Interesse an der Kunsthalle nach. Und damit verband sich dann auch das Desinteresse der Politik an der Kunsthalle. Denn das war dann ja nur noch für das Rautenstrauch-Joest-Musem und für das Schnütgen-Museum gedacht. Und natürlich können zwei Museen nicht die Kunsthalle dauernd bespielen. Und dann war eben die Frage, was macht man damit: na ja, also da haben wir kein Geld für, oder Ähnliches. Ich weiß nicht genau, wie es gewesen ist, aber so ähnlich muss es sein. Ja.