Initiative Haubrich-Forum too late Das Loch European Kunsthalle

Der schöne Josef Werner Strodthoff

02.06.2002. Telefoninterview mit Werner Strodthoff. Journalist, Kölner Stadtanzeiger.

Werner Strodthoff: Na ja gut, ich hätte mir genauso gut vorstellen können, dass die Kunsthalle dort auch weiterhin gestanden hätte, mitsamt dem Kölnischen Kunstverein. Die Entscheidungen liefen ja nun in eine andere Richtung seinerzeit, wesentlich angetrieben und forciert durch das Rautenstrauch-Joest-Museum, das ja nun - wie wir wissen - eine neue Bleibe suchte, weil es sich in seinem Altbau nicht mehr wohl fühlte und zu begrenzt war, außerdem eine zentrale Stelle in der Stadt suchte.

Und dieser Wettbewerb ist leider nicht brillant durchgeführt worden, das wird man heute sagen können, es war allerdings auch seinerzeit schon nach dem Ergebnis sichtbar, und dann wurde ein Entwurf prämiert, der sicherlich nicht - was ich ja jetzt auch noch einmal geschrieben habe - zu dem Glanzvollsten gehört, die man sich denken könnte, an dieser Stelle. Die Architektur wird meines Erachtens nach eine solide sein, die städtebaulich sich an dieser Stelle einfügen wird, der ich mir an dieser Stelle eine motorische Wirkung nicht nur für die Zusammenarbeit der drei Institute in diesem einen Haus, sondern auch für die Umgebung, für die unmittelbare Umgebung.... Und da war es schon sehr sinnvoll, ein neues Projekt zu initiieren, weil - wie wir wissen - die Umgebung hier in einem äußerst maroden Zustand sich befindet, und das bereits seit über 3, 4 Jahrzehnten. Vor 10 Jahren allerdings war es meiner Erinnerung nach noch nicht so, dass die 60er Jahre, und dieses ganze Ensemble stammt ja aus den 60ern, bereits denkmalschutzverdächtig gewesen wären.

Der Neubau nimmt Bezug in der Höhe auf diese Scheibe des VHS-Hauses. Und die Konzeption des Neubaus, wenn Sie sich die ansehen, das ist ein 2-Fugen-Haus mit 3 Scheiben parallel zueinander gestellt, von der Höhe her nahezu exakt die Höhe der VHS-Scheibe. Und genauso in Nord-Süd-Richtung, also nach Nord-Süd ausgerichtet, also, von daher denke ich mal wird es dieses VHS-Gebäude, auch in Zukunft noch lange....

Es war ja damals noch offen: Kunsthalle-Abriss oder nicht. Aber es ist klar, wenn sich Architekturbüros damit befassen, die wollen ja auch neu bauen und nicht nur erhalten, und so kam es dann zu der Version Neubau plus Abriss. Vielleicht wäre man heute wieder weiter in der Diskussion. Statt eine Tabula rasa zu machen, das eine oder andere vielleicht doch zu integrieren, das wäre sicherlich interessant. Ich meine, dies ist eine Diskussion, die wir jetzt führen, die natürlich überflüssig ist, aber reizvoll von der Idee her, nicht? Und von der Vorstellung her, dass man noch weitere Ergebnisse, weitere Entwürfe und Ideen hätte, vielleicht unter der Integration der Halle.

Wozu ich mich natürlich äußern kann, ist sozusagen die Baulichkeit und deren Qualität und die Kunsthalle hat sicherlich in der Zeit ihres Bestehens eine hohe Qualität gehabt für ihre Funktion als Halle. Das ist keine Frage, das steht außer Frage, aber ich wiederhole noch mal: die Situation ist in dem Moment - an dieser Stelle - eine andere geworden, als man sich entschieden hat, das Rautenstrauch-Joest-Museum auch an diese Stelle zu holen. Und da war klar, dass das Raumprogramm ein ganz anderes werden musste, als es realiter dort bisher bestand.

Was die Qualität, die architektonische Qualität, anbelangt, so ist das natürlich ein typisches Ensemble der 60er Jahre, das dort besteht. Und man kann nun sagen, es hat seine Qualitäten. Das hat es auch - durchaus - in dieser Pavillonbebauung des Kunstvereins und in den verschiedenen Höhen und in der Disposition der einzelnen Baukörper, zumal auch im Zusammenhang mit den beiden Kirchen - Cäcilien und St. Peter - und den Freiräumen, die dort bestehen. Das wird sich alles ändern, und ich hätte mir auch wünschen können, einen Entwurf - wenn wir schon mal bei Abriss und Neubau sind - einen Entwurf, der - sage ich mal - sowohl das Vorhandene - den Ort - wie auch die architektonische Figur anders definiert, also den Ort besser aufgenommen und die architektonische Figur anders definiert hätte, als es dann in dem Siegerentwurf der Fall gewesen ist.