Initiative Haubrich-Forum too late Das Loch European Kunsthalle

Der schöne Josef Udo Kittelmann

02.06.2002. Telefoninterview mit Udo Kittelmann. Leiter des Kölnischen Kunstvereins von 1994 bis 2001.

Udo Kittelmann: Da muss man schon ziemlich weit zurückgehen, also ich denke vor mindestens 3 Jahren oder so. Damals habe ich die Meinung vertreten und die würde ich auch heute noch vertreten, unter dem Aspekt - so habe ich das immer gesehen - der Funktionalität dieser gesamten Josef-Haubrich-Bebauung, die wohl eine der ganz wenigen gelungenen Architekturen überhaupt ist, weil sie eine wirklich der Kunst dienende Architektur ist, die tatsächlich auch den Bedürfnissen der Künstler und der Kunst nach Ausstellungspräsentation in großem Maße gerecht wird, wie es sicherlich nicht viele Architekturen tun, zumal in der jüngsten Vergangenheit die gebaut wurden.

Und damals kamen Pläne auf, dass der Josef-Haubrich-Hof neu gebaut werden sollte und angesichts der ersten Pläne konnte man sehen, das eine Lösung angestrebt wurde, die, was die Architektur anbelangte, mit Sicherheit nicht eine Verbesserung darstellte, sondern in diesem Fall eine Verschlimmbesserung. Und das war der Grund, warum wir damals dann auch als Kunstverein dagegen angetreten sind, und gesagt haben, so kann es nicht gehen.

Nein, Sinneswandel kann man sicherlich so gar nicht sagen, sondern man muss sich das so vorstellen, dass der Kunstverein so vehement dagegen eingetreten ist und hat gesagt: so eine Architektur zu bauen, dass kann jawohl nicht wahr sein. Vielleicht noch mal zur Erinnerung: die ersten Pläne sahen so aus, dass der Kunstverein - also das sind jetzt alte Geschichten zunächst einmal - aber dass der Kunstverein in den Keller gehen sollte. Ein Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst ohne jegliche Form von Tageslicht! Der Eindruck musste einfach entstehen - den Eindruck habe ich zumindestens gehabt - als ob die Architekten sicherlich zuvor - ich glaube - ein Museum selten vorher besucht haben, mit Sicherheit sich aber nicht mit den Bedürfnissen von Kunst nach einer sie repräsentierenden Architektur jemals gekümmert haben. Das war ein Auftrag, und der Auftrag war ein Museum zu bauen, und das schien mir doch so zu sein - zumindest in der ersten Plänen - die hätten genauso gut den Auftrag bekommen können, ein Krankenhaus zu bauen, eine Polizeistation zu bauen und und und und und. Und dann ging das los, dass die Pläne ständig verbessert wurden. Und mit dem Endergebnis, dass es dann zu einer Lösung kam, wo man sagen konnte: gut, jetzt kann man annehmen, jetzt stimmen zumindest die Architekturen.

Das war die nächste große Diskussion, die Frage nach den Synergien. Es ist ja ein Thema tatsächlich der 90er Jahre, dass man immer Synergien beschworen hat. Und die Synergien, die vormals geplant waren, werden ja sicherlich in dem Maße nicht - wie die Architektur heute aussieht, soweit der Stand der Dinge ist: mein Stand der Dinge - erfüllt werden. Also zumindest nicht, was jetzt den Kunstverein und seine Zielrichtung anbelangt. Man muss aber allerdings natürlich auch zugeben, das hängt immer an den Personen. Wenn die Personen Synergieeffekte erzielen wollen, um so alles unter einem Dach... - Wenn die sich gut verstehen, mag das vielleicht möglich sein. Ich habe das damals sicherlich so nicht gesehen. Ich glaubte die Synergien - ich sage mal - zwischen den Intentionen eines Völkerkundemuseums, eines Schnütgen-Museums, eines Kunstvereins, die sind doch letztlich sehr verschieden.

Ich kann Ihnen unseren Sinneswandel erklären, den kann ich Ihnen erklären. Weil das, was der Kunstverein in 10 Verhandlungen mit der Stadt erreicht hat, in 10 Verhandlungen mit der Architektur erreicht hat, war im Anfang überhaupt nicht ausmachbar. Also der Kunstverein würde unter den jetzigen Umständen, so wie die Pläne aussehen, einen vergleichbaren Raum bekommen, der sicherlich sehr, sehr gut auch geeignet sein wird. Der - also, sie haben ja wirklich auf die Details geachtet - also der Kunstverein hat ja tatsächlich extrem davon profitiert, von diesen Verhandlungen, das muss ich einfach einmal für den Kunstverein festhalten.

Das ändert nichts an der Tatsache, dass dieser Raum, wie er heute ist, wie diese Architektur heute ist, und da möchte ich unbedingt auch die Kunsthalle mit einbeziehen, sicherlich für die Zukunft ein denkbar gut geeigneter Ort ist. Und jetzt muss man sich allerdings fragen, warum dann etwas abreißen, was schon so gut ist, was man ja eigentlich gar nicht mehr verbessern kann? Warum hat man dann nicht an anderen Möglichkeiten gearbeitet? Die Kritik bleibt immer bestehen und die Kritik ist sicherlich, da würde ich von ausgehen, für die, die damals mit einbezogen waren, weiterhin von Aktualität, immer bezogen auf die Architektur, wie diese ist, und es ist eine der großartigsten Museumsarchitekturen oder Institutionsarchitekturen, die - denke ich - gebaut wurden, weil dieser Mensch ...

Das ist ein Stadtentwurf, nun muss man sich das vorstellen, der sicherlich Anfang der 60er Jahre von irgendeinem Menschen in der Stadt entworfen worden - und dieser Mensch muss einfach große Ahnung und ein großes Gefühl für Kunst gehabt haben. Und das sieht man dem Gebäude heute noch an. Und ob das der neue Entwurf je haben wird, wirklich auch in der Praxis - ich meine, heute sieht man Pläne und man sieht Modelle und und und und und - das vermag ich nach wie vor zu bezweifeln. Es ist zweifelsohne so, dass das einer der kunstgeschichtlichsten Orte überhaupt in der Bundesrepublik ist, und zwar auch genau in diesem Zusammenspiel, zwischen Kunstverein und Kunsthalle.

Wenn man sich das einmal vergegenwärtigt, was dort zu einem frühen Zeitpunkt stattgefunden hat, dass das sprich also tatsächlich auch der Neumarkt der Künste und und und und und, das war ja immer auch damit verbunden, dass dort die ersten Happening- und Fluxusaktionen stattgefunden haben. Dass dort überhaupt auch eine Kunstform, die heute so populär ist, dort ihren Anfang genommen hat, oder Anfänge mitgenommen hat - sprich also die Videokunst - dann ist das natürlich ein Ort, der zweifelsohne Geschichte geschrieben hat. Und damit ist natürlich auch viel verbunden. Natürlich, wenn man sich das alles mal vergegenwärtigt, ist das ein Fundus, auf dem man hätte phantastisch aufbauen können. Es ist nur tatsächlich immer die Frage: hätte es nicht andere Möglichkeiten gegeben ...

Es gibt natürlich Vorstellungen oder diese Vorstellung gibt es, diese Vorstellung gab es, dass daraus ein Museumskomplex hätte werden können, also der tatsächlich auch zukunftsträchtig gewesen wäre. Immer an den Bedürfnissen, ich würde sagen, Mitte der 90er Jahre angelegt oder Anfang der 90er Jahre angelegt, für diese Idee eines Museumskomplexes mit möglichen Synergieeffekten. Nur, ich glaube, dass die Zeit sich natürlich in den 90er Jahren extrem weiterentwickelt hat. Das es eine Idee ist tatsächlich schon wieder des letztes Jahrhunderts, dass es heute wieder anderer Bedürfnisse wirklich bedarf, da hat sich auch wieder die Zeit da drüber gemacht, über diese Entwicklungen, die man damals für wirklich vielleicht sehr zukunftsträchtig hielt.

An der Qualität dieser Architektur lässt sich überhaupt nicht rütteln, überhaupt nicht. Das ist eine reine funktionale Architektur. Das ist keine Architektur, wo sich ein Architekt künstlerisch betätigen wollte. Ich will nur eines sagen, es hätte natürlich mitunter auch Entwürfe geben können, die sich - ich sag mal - für dieses oder für die nächsten Jahrzehnte als eine utopische Architektur hätten irgendwann herausstellen können. Sprich die Architektur, wenn es einen anderen Entwurf gegeben hätte oder eine anderer Entwurf gewonnen hätte, der eine Utopie auch wieder visualisiert hätte - o.k., da hätte man sagen können: Wow, da ist eine Utopie gewesen und jetzt kommt noch eine andere Utopie dazu, eine andere Architektur, die uns vielleicht ganz andere Möglichkeiten auch gibt. Aber das stelle ich in Frage, dass das diese Architektur, wie sie jetzt gebaut werden soll, schaffen kann, das ist sicherlich nicht ... - das ist eine vielleicht brauchbare Architektur, aber sicherlich keine Architektur, die jemals solche Qualitäten zeigen wird wie die jetzige.

Und das ist vielleicht einfach noch mal interessant in der Rücksicht zu sagen: ich glaube, es haben sich - glaube ich - 100 Architekten und Architektenbüros letztendlich daran beteiligt, und ich erinnere mich, dass nur 2 Architektenbüros überhaupt, eine Kontaktaufnahme mit dem Kunstverein - 2 oder 3 - nur gesucht haben. Und einmal im Vorfeld nach den Bedürfnissen gefragt haben. Hey, was macht ihr eigentlich? Wie ist die Kunst dort? Was braucht die für Räume? Nicht, das ist vielleicht viel, viel interessanter. Nicht, also auch in so einem Verfahren. Wenn auch die Architekten nicht wirklich auch hingehen und sich um ihren zukünftigen Patienten oder Kunden kümmern. Sprich, irgendwann gab es diese Entwürfe, es gab einen Gewinner, und damit musste man sich jetzt rumschlagen. Ich meine, für mich ist immer - wenn sich das auch etwas abgedroschen anhört - immer die nächste Ausstellung natürlich die Liebste. Aber jetzt einfach noch einmal um unser Thema zu greifen: es gab viele Künstler - muss ich sagen - und die Gespräche mit den Künstlern, um ihre Ausstellungsprojekte, wurden immer vereinfacht durch den Raum des Kunstvereins, das die gesagt haben: wow, Mensch da möchte ich eine Ausstellung drin machen. Das kam sicherlich immer zu meiner Person und zu dem Ruf des Kunstvereins hinzu, dass es tatsächlich diesen Ausstellungsraum auch hatte.