Initiative Haubrich-Forum too late Das Loch European Kunsthalle

Der schöne Josef Lilian Haberer

02.06.2002. Telefoninterview mit Lilian Haberer.

Lilian Haberer: Der Architekt des Josef-Haubrich-Forums, Franz Lammersen, hat mir das auch nicht mehr genau gesagt. Das Problem ist: dieser Zuständige im Hochbauamt hat das in den Ausschreibungstext hineingeschrieben. Das ist etwas ganz Ungewöhnliches, also im Ausschreibungstext für die Architekten, die zu dem Wettbewerb eingeladen wurden, etwas Neues zu planen - die Kunsthalle zum Abriss freizugeben, obwohl das vorher nie irgendwie öffentlich bekannt gemacht wurde. Dies war ein Novum - was Franz Lammersen direkt auch bemängelte - dass es eigentlich ungewöhnlich ist, von vornherein im Ausschreibungstext die Kunsthalle zum Abriss freizugeben, als hätte es nie darüber eine Diskussion gegeben. Im Wettbewerb haben natürlich auch jede Menge Architekten den Bau abgerissen in ihren Planungen, weil das viel einfacher ist, ein freies Gebiet zu bebauen, als es umzubauen. Der Rückschluss ist ganz klar. Wenn man etwas einfach nicht zur Debatte stellt - wie diesen Abriss der Kunsthalle - was eigentlich eher eine Kommission begutachten müsste, die sagt, das stellen wir unter Denkmalschutz oder nicht, ist dies problematisch. Wenn man also diese Frage umgehen möchte, dann schreibt man in den Ausschreibungstext, dass die Kunsthalle zum Abriss bereit steht. Es gab einige Architekten, die die Kunsthalle haben stehen lassen in ihren Entwürfen, sie wurden aber nicht besonders berücksichtigt, weil es ja anders im Ausschreibungstext stand.

Die Stadt war sich natürlich einig darin, dass man vielleicht irgendwie etwas in Stand setzen muss und ein bisschen etwas renovieren sollte. Aber die Renovierungskosten sind im Vergleich zu den Neubaukosten verschwindend gering. Und die Stadt ist davon ausgegangen, sie bekäme keine Gelder vom Land, wenn der Abriss nicht erfolge und es keinen Neubau gäbe. Seltsam daran ist, dass das Land auch Geld zur Verfügung stellt für Umbauten oder für bestehende Bausubstanz. Deshalb ist es nicht ganz einzusehen, dass eigentlich diese Entscheidung für den Abriss getroffen wurde, nur aus dem Grund sozusagen, damit das Land finanziell unterstützt, ohne Rücksicht auf die inhaltlichen Fragen.

Das Problem ist - und das wird auch in Zukunft ein Problem sein -, dass de facto keine Gelder für die Bespielung der neuen Räume bereit stehen, sogenannte Folgekosten. Diese Frage hing immer am seidenen Faden, weil man nie wusste, ob die finanzielle Lage der Stadt ausreicht. Und es war ja eigentlich auch eine Farce zu sagen, man bräuche viel weniger Geld zum Abriss als zur Sanierung. Allein die Parkplätze - das hat mir Franz Lammersen bereits erläutert -, die sich unter dem Haubrich-Forum befinden - unter der Kunsthalle - die Parkplätze des Parkhauses also, kosteten beim Abriss pro Platz 30.000 Mark. Marie Hüllenkremer hat zumindest behauptet, die Kosten für den Neubau seien geringer, eine Aussage, die auf jeden Fall nicht auf Tatsachen beruht. Es ist weder für den Lammersen noch für andere Architekten einsehbar, warum die kleine Renovierung im Haubrich-Hof teurer sein soll als der Neubau.

Die zweite Sache ist: der Kölner Stadt-Anzeiger hat von vornherein eine ziemlich extreme Rolle eingenommen. Werner Strodthoff vor allem, der vorwiegend die Artikel zum Thema geschrieben hat. Er hat von vornherein immer die Trommel für den Abriss gerührt. Er schrieb dann auch der Neubau sei der "Phönix aus der Asche" - also wirklich, sehr pathetisch - und es gäbe jetzt ein neues kulturelles Zentrum. Erstaunlich ist dieser Enthusiasmus im Anbetracht der Tatsache, dass '98 sowohl Udo Kittelmann als auch Gisela Völger, die Direktorin vom Rautenstrauch-Joest-Museum beide extrem gegen den Entwurf waren und sämtliche andere Kulturschaffenden der Stadt. Der Einzige, der das neue Haus unbedingt realisiert sehen wollte, war der Ludwig Theodor von Rautenstrauch. Das ist der Enkel des Stifters des Rautenstrauch-Joest-Museums. Und die Stadt unterstützte dies, weil sie sich eine Lösung für den Neumarkt erhoffte, wegen der Landesgelder und der sogenannten "Synergieeffekte". Der KStA hat diese Ansicht der Stadt sehr unterstützt und diese ganzen Gegenstimmen sehr abgewiegelt. Die einzige Stimme, die sich bereits 1998 im KSTA kritisch zum Abriss äusserte war Amine Haase. Franz Lammersen selbst wirkte etwas hoffnungslos in der Frage, aber er sagte selber, es habe zu wenig Widerstand gegeben.