Initiative Haubrich-Forum too late Das Loch European Kunsthalle

Der schöne Josef Tobias Gerber

02.06.2002. Telefoninterview mit Tobias Gerber. Kölner Künstler.

Tobias Gerber: Ich wohne ja schon seit 1969 in Köln und habe die Erfahrung gemacht, dass alles, was an die Stelle jetzt gerade der 50er-Jahre-Architektur kommt, schlechter ist als das, was vorher da war. Das hat einen degradierenden Faktor, d.h. es wird eigentlich alles architektonisch unangenehmer, unmenschlicher und schlechter. Man weiß gar nicht, was passiert jetzt da. Und jetzt wird wieder eine monolithische Sache da errichtet. Und das Monolithische passt nicht zu Köln und wird da den Platz massiv besetzen.

Und gerade das sind ja alles so sensible Ecken, durch den Krieg noch vernarbt, und dass da jetzt so eine, wie ich schon sagte, monolithische Sache ...

Es ist für Köln immer falsch, der Kölner Dom ist eigentlich auch zu groß für Köln, aber wenigstens haben wir das als Angelpunkt. Ich finde, es ist ein Debakel, nur weiß ich, es ist eines der vielen Debakel überhaupt, verkehrstechnisch. Wie gesagt, ich würde mich mäßig dafür einsetzen, dass das alles so stehen bleibt. Ich halte nichts allerdings davon, von dieser Rückschau auf die Glanzzeiten Kölns, so 70er Jahre: Kunstmarkt wird errichtet und auch die Ausstellungstätigkeit. Da hat sich ja viel verschoben. Das ist jetzt für mich kein Argument aus den Gründen, die Situation zu erhalten.

Aber ich finde es einfach eine innerstädtische Nische, auch mit dem Platz vor allem. Weil Köln bricht ja an Plätzen, allenthalben, weißt du: Barbarossaplatz. Alle diese Plätze sind ja eigentlich Verkehrsbrachen, wo sich Schienen kreuzen oder chaotische Haltestellensituationen finden. Ich glaube, es ist atomisiert. Das ist der Punkt, das geht allen so. Das siehst du ja auch in der Kunst, das spiegelt sich ja auch in den Arbeiten der Künstler. Die sind alle sehr fragmentarisch, sehr wenig selbstbewusst letztendlich.

Nach und nach die Ungersbauten, das neue Ungersmuseum, das ist aus künstlerischer Sicht eine Katastrophe, da rege ich mich fast mehr darüber auf als über den Abriss. Es gibt ja ein Pendant in Düsseldorf, von dem gleichen Architekten. Den Umgang mit so empfindlichen Plätzen wie Gürzenich, St. Alban usw... Das ist eine Litanei ohne Ende. Und die Energie sich spezifisch mit so Sachen zu beschäftigen, ist bei mir sehr geschwunden, weil ich da auch eine Hilflosigkeit verspüre oder auch keine Kölntreue.