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Der schöne Josef Gisela Neven-DuMont

02.06.2002. Telefoninterview mit Gisela Neven-DuMont.

Gisela Neven-DuMont: Ich finde, das ist wirklich ein durchgängiges, absurdes Thema, dieses Verkommen lassen von bestehender, guter Substanz. Und einfach nur, weil sozusagen das Geld aus verschiedenen Töpfen kommt, ist für die Renovierung nichts da, für einen Neubau aber sehr wohl, in Millionenhöhe. Und ich mein, dass ist ja - finde ich - in Deutschland ausgeprägt, so dieses Anti-Konservative, sozusagen, also im Sinne von Bewahren und Erhalten.

Das gibt es ja in keinem Land. Also, wir leben ja jetzt halb in Frankreich oder ich kenne auch England sehr gut. Aber diese Leichtfertigkeit, etwas Bestehendes wegzuschmeißen, sozusagen, das gibt es nirgends wie in Deutschland und ich finde das eine äußerst unsympathische Haltung Das hat irgendwie so was Verachtendes auch. Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen, ich kann sehr schlecht was wegschmeißen. Ein symbolischer Akt, nicht? Es ist ja nicht nur das Faktische, sondern - nein - es ist so gefühllos und brutal letzten Endes, so einen aufgeladenen Ort einfach dem Erdboden gleichzumachen und da jetzt so ein fragwürdiges - architektonisch fragwürdiges - Neubaugehäuse hinzustellen, was ja - also von den Plänen her - die ich gesehen habe, wirklich äußerst unattraktiv ist.

Das ist ja einfach wirklich diese verrückte Politik mit ihren verschiedenen Töpfen, wo es irgendwie um Zuständigkeiten und bürokratische Richtlinien geht, aber nie sozusagen um eine Sachlösung. Man könnte ja wahrscheinlich mit sehr viel weniger Geld etwas sehr viel Effektiveres machen. Ich glaube, man hatte immer die Hoffnung, dass dieser Neubau nicht zustande kommt, das sah ja auch lange so aus, dass das Geld nicht zusammen kommt und dass auch die verschiedenen Institutionsdirektoren nicht zusammen kommen.