Initiative Haubrich-Forum too late Das Loch European Kunsthalle

Der schöne Josef Wilfried Dickhoff

02.06.2002. Telefoninterview mit Wilfried Dickhoff.

Wilfried Dickhoff: Den FAZ-Artikel hast du auch gelesen, nicht?

Marc Comes: Ja.

WD: Genau. Und der war ja nicht so schlecht. Der war sehr sachlich und der war ja auch relativ gut in der Beschreibung des Elends von Stadtplanungsperspektiven und Finanzierung von Neubauten und Nicht-Finanzierung und von der Haltung und all diesen Dingen - aber Schlafmützigkeit hat er auch erwähnt? War auch nicht ganz falsch? Betrifft uns ja alle? Es ist einfach ein Höhepunkt der jämmerlichen, provinziellen, peinlichen, dummen und kleinkarierten Stadtplanungs- und Architekturplanungspolitik dieser Stadt.

Das, was die Stadt überhaupt zu bieten hat, ist eben die Geschichte der Gegenwartskunst seit den 60er Jahren, die quasi inkarniert ist in diesen Gebäuden. Da habe ich meine pubertären Einstiege in Gegenwartskunst erlebt. Das ist ein persönliches Moment, aber über das Persönliche hinaus ist es schlicht und einfach auch eine Inkarnation dieser Geschichte. Und das ist fast das einzige, was diese Stadt über sich selbst hinaus überhaupt zu bieten hat. Und das wird quasi symbolisch abgerissen damit. Und damit ja auch die Widerständigkeit von Kunst, die damit jverbunden war. Und das ist einfach jämmerlich.

Aber ich bin ja nicht überrascht. Nur, dass wir alle da nicht überrascht sind, das sollte uns natürlich auch zu denken geben. Wir haben nicht aufgegeben. Ich bin da ja anderer Meinung. Ich glaube ja, dass die Unmöglichkeit von Veränderungen kein Grund zur Resignation ist, sondern ein Grund, gerade zu insistieren und gerade Widerständigkeit auf neue Art und Weise zu entwickeln. Es gibt eine Musikgruppe, die ich ganz gerne mag. Die heißen Black Rebel Motorcycle Club, und da gibt es einen Song, den ich mag. Der heißt: Whatever Happened to Your Rock n Roll. Das wäre meine letzte Bemerkung.