Initiative Haubrich-Forum too late Das Loch European Kunsthalle

Der schöne Josef Jörn Bötnagel

02.06.2002. Telefoninterview mit Jörn Bötnagel. Galerist in Köln.

Jörn Bötnagel: Das hängt dann ja auch noch mal mit der Arbeit von der Yvonne zusammen, diese Geschichte mit Mai 98, die Ausstellung, die Brigitte Oetker und Christiane Schneider gemacht haben und bei der Yvonne und ich den Katalog gemacht haben. Uns hat die Kunsthalle eben auch so gut gefallen hat, dass wir die auf das Cover vom Katalog genommen haben. Auf jedes Plakat, jede Einladungskarte, jede Fassadentransparent an der Volkshochschule und auf jeden Leuchtkasten. Das ist ja eigentlich auch schon so ein Statement.

Da war ja damals schon die Diskussion, dass die Kunsthalle abgerissen werden sollte. Da wurde ja schon dran gearbeitet, also schon vor 4 Jahren. Und es stand sogar schon fest, glaube ich. Und dann gab es da von der Stadt so Bedenken gegen diesen Plakatentwurf mit der Kunsthallen-Fassade drauf, weil sie sagten, das wäre DDR-Design und das könnte man nicht nehmen. Diese City-Lights, die da Sponsoren für kulturelle Events in Köln sind, würden die das nicht erlauben. Und dann war das nur mit ganz viel Druck von oben, ich glaube, von Brigitte Oetker bis zu Frau Hüllenkremer.

Es wurde dann noch durchgesetzt, dass das doch noch als City-Lights plakatiert wurde. Da hat man ja auch so eine Chance verpasst und hat eine andere Entwicklung eingeschlagen. Es wurde vielleicht auch eine schlechte Informationspolitik betrieben. Aber das hängt ja auch immer mit den Interessen des Kunstvereins dann zusammen. Die haben dann, der Kittelmann und der Herr Zander, ja auch nichts gegen unternommen oder auch nicht die Leute dagegen mobilisiert. Mir geht es ja auch darum, dass man da konstruktiv weiterarbeitet auch mit dem Kunstverein und der neuen Situation des Kunstvereins.

Für mich ist das so ein status quo: Die Kunsthalle wird abgerissen und ganz viele Leute haben geschlafen, wir auch. Jetzt ist es für mich so ein bisschen Aktionismus. Es geht schon so ein bisschen in diese Richtung, dass man dann noch mal jetzt so eine Anstrengung unternimmt. Das finde ich ja auch begrüßenswert, dass es da noch mal eine Initiative gibt. Nur ich sehe halt nicht wirklich den Sinn darin und deswegen engagiert man sich nicht dafür. Weil ich eben glaube, dass solche Sachen hätten früher angefasst werden müssen und man dann noch eine reelle Chance gehabt hätte.

Das ist nur ein Symbol: Jetzt geht es uns aber zu weit und jetzt müssen wir aber auch mal was sagen. Wobei ja auch ganz lustig ist, dass da ja teilweise Leute unterschrieben haben, wie der Daniel Buchholz, der ja sogar im Vorstand des Kunstvereins sitzt und der von dem ganzen Treiben ja wohl irgendwas mitbekommen haben muss. Der sitzt ja auch nicht seit gestern im Vorstand, sondern mindestens ca. schon seit einem Jahr. Da merkt man ja auch, dass es auch wenig glaubhaft wirkt.

Yvonne sagt gerade, dass bei der letzten Mitgliederversammlung hat der Meyer Voggenreiter noch mal das eingeworfen, dass man da doch noch mal was machen sollte. Dann hat der Vorstand - und dazu gehört ja auch der Daniel und Christian DuMont-Schütte, dessen Frau sich ja auch in dieser Initiative engagiert - mehrheitlich beschlossen, dass man den Antrag von dem Meyer Voggenreiter abschmettert.

Sie meinte halt, dass es zu spät ist. Dass jetzt nicht aus dem Kunstverein heraus, die gleichen Leute, die mehr oder weniger damals zugesagt haben, gegen diesen Abriss stimmen, ist verständlich. Die hatten damals besten Wissens und Gewissens ihre Argumente und Gründe dafür, warum sie diesem Abriss zustimmen. Und ich glaube auch, dass die das jetzt gar nicht so viel anders sehen. Es ist halt nur so, dass sich die Situation mittlerweile geändert hat! Der Meyer Voggenreiter sitzt ja gar nicht im Vorstand, der sitzt ja im Ausschuss. Der ist an dem Tag da rein gewählt worden. Die Leute aus dem Vorstand sind ja immer noch der Meinung. Und von ihnen ist ja auch keiner in der Initiative aktiv dabei, um das noch zu verhindern. Also, das wird ja von außen rangetragen, an den Kunstverein. Und dann sagt der Kunstverein: Wir haben unsere Entscheidung getroffen vor, ich weiß nicht wievielen Jahren und wir stehen dazu, wir gucken jetzt nach vorne usw. Die empfinden das ja nicht als Fehler, also, das wird ja von außen als Fehler gesehen.