Initiative Haubrich-Forum too late Das Loch European Kunsthalle

Der schöne Josef Georg Baselitz

02.06.2002. Telefoninterview mit Georg Baselitz. Maler.

Marc Comes: Du weißt ja, dass die Josef-Haubrich-Kunsthalle abgerissen wird. Weißt du das überhaupt?

Georg Baselitz: Nein, ich habe von nichts eine Ahnung.

MC: O.k., du hast ja mal eine Ausstellung in der Kunsthalle gehabt.

GB: Ja, vor 100 Jahren.

MC: Vor 100 Jahren!

GB: Als Gohr Direktor war. Das war eine ganz wichtige Ausstellung, damals stand ich ganz unten an der Karriereleiter. Als Gohr dort war, war es ein ganz wichtiges Institut für junge Künstler. Dort eine Ausstellung zu haben bedeutete sehr viel. Der Gohr - erinnere ich mich - war damals so - ich weiß nicht - so Ende 30. Der muss so 37 oder so was gewesen sein, der war sehr jung. Ich war damals auch schon ein bisschen älter. Aber das war trotzdem der Anfang. Ich weiß das Jahr jetzt nicht, aber lass das mal so '75 gewesen sein, oder so was. Also, das war eine ganz wichtige, für mich eine ganz wichtige Ausstellung. Das ist eben meine, eine Begegnung mit dieser Kunsthalle. Dann gab es noch eine zweite und zwar gab es in Köln ja auch mal einen wichtigen Kunstmarkt. Da fand ein Teil des Kunstmarktes - meine ich, das war ein Kunstmarkt oder es war eine Sonderausstellung zum Kunstmarkt - dort statt. Und ich hatte ja damals so einen renitenten Vertreter, das war der Franz Bahrens, der stellte von mir da was vor. Und da gab es also eine ausverkaufte Polke-Ausstellung, erinnere ich mich, bei Zwirner. An das kann ich mich noch erinnern.

Aber da gibt es noch eine andere Sache, die ist ja eigentlich die Wichtigste: der Wolfgang Hahn, der Restaurator, wollte, dass in Köln von mir etwas bleibt, und sagte, für die Wand in der Kunsthalle, wenn man die Treppe hochgeht, sollte ich doch ein Bild machen. Ich glaube, da war der Gohr noch Direktor. Dann hab ich das gemacht und das ist das Straßenbild geworden, ein vielseitiges Ding. Es wurde dann festgestellt, das passt alles nicht und es gab auch kein Geld. So wurde es nie realisiert. Aber das Bild habe ich dafür gemacht, ursprünglich. Das war auch gar kein Auftrag, der Hahn wollte das gerne, der Ludwig wollte das vielleicht auch, der Gohr auch, aber dann hat es mal gehangen, musste aber schon bei der erstbesten Ausstellung wieder abgehangen werden. Es wurde auch nicht angekauft, es war ja bei einem Händler, bei Nollendorf, glaube ich. Das habe ich in Beziehung zur Kunsthalle Köln gemacht.

Und für mich war diese Kunsthalle nicht so sehr ein ästhetisch wichtiges Gebäude oder Ausstellungsplatz. Für mich war wichtig, dass dort ein interessanter junger Mann saß als Kurator, eben der Gohr, der mich dahin geholt hat. Er machte ja insgesamt wichtige Ausstellungen. Das war ja damals wirklich ein ganz wichtiger Tanzboden, das Ding. Danach hat es enorm die Bedeutung verloren. Da wurde in Köln dann auch das Museum gebaut. Das hat richtig die Bedeutung verloren, ich bin dann auch nie mehr da gewesen. Damals war das aber ganz was Wichtiges. Man musste sich schon behelfen. Also, ich erinnere mich, dass Penck einmal eine Ausstellung machte, der baute in die Raummitte so eine Art Holzkiste - damit eine Intimität entstand - und machte dann in der Holzkiste was Kleineres und außen herum was Größeres.

Es gab auch unter der Kunsthalle - erinnere ich mich - von Vostell so eine Waschgeschichte, so eine Riesenaktion, damals wurden ja diese Aktionen veranstaltet. Happenings. Da wusch der Vostell Geländer und Gitter ab und rasselte. In der Garage war das. Und ein bisschen Mangel besteht jetzt an solchen Aktivitäten. Diese unglückliche Museenssituation mit den Direktoren da. Da läuft nichts mehr so recht. Und wie es jetzt wieder begonnen hat, das ist ja auch ziemlich merkwürdig. Es wird versucht, so viel Internes, Provinzielles. Ich glaube, das kann man gar nicht mehr heilen, weil diese Künstler, die mal interessant waren, nun alle schon als Professoren pensioniert sind. Pensioniert! Das musst du dir mal anhören. Das ist so wie das München in der Jahrhundertwende vielleicht.