Initiative Haubrich-Forum too late Das Loch European Kunsthalle

Statement zur Europäischen Kunsthalle Köln

16.05. 2004. Die Idee zu einer Europäischen Kunsthalle Köln wurde bereits im Sommer 2003 in der Publikation 2010 vorgestellt. Inzwischen ist daraus ein konkretes Projekt der Initiative Josef-Haubrich-Forum geworden, das vom Verein Das Loch e.V. finanziell und strukturell unterstützt wird. Anlässlich der Veranstaltung 'Was ist los in Köln?' im Kölnischen Kunstverein wurde das Statement erstmals als Flugblatt in Umlauf gebracht.

Europäische Kunsthalle Köln

Köln soll endlich wieder eine funktionsfähige Kunsthalle bekommen. Allerdings machen die bisherigen Verlaut-barungen der Stadt, im zukünftigen Kulturzentrum am Neumarkt die erst vernachlässigte und schließlich abgerissene Kunsthalle neu zu etablieren, wenig Hoffnung auf eine tragfähige Lösung - werden doch genau die Konzepte in Umlauf gebracht, die den langsamen Niedergang der Kunsthalle dereinst mit verursacht haben. Zugegeben, die Kunstszene dieser Jahre begleitete den Niedergang aus saturierter Distanz. Eine neue Generation kämpft nun mit den Spätfolgen und weiß, dass sie die Kunsthalle als lebendigen Ort der Begegnung und Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Positionen braucht, wenn sie am internationalen Diskurs teilnehmen will. Die Initiative Josef-Haubrich-Forum und der Verein Das Loch treten nun mit einem eigenen Projekt an: dem Modell einer Europäischen Kunsthalle Köln.

Es geht um mehr als eine Reaktion auf die fehlgeschlagene Kulturpolitik der Stadt. Dieses Projekt appelliert an die eigenen Kräfte: Im Entwicklungsprozess der Europäische Kunsthalle Köln wollen wir zukunftsfähige Potenziale entdecken und freischalten, die gerade in der gegenwärtigen, unmöglichen Situation der Kunst, der Kultur und des öffentlichen Raums verborgen sind - und die im Kölner Loch ihren unzureichenden Ausdruck gefunden haben. Das Loch macht doch nur weithin klar, dass der Status Quo ausgedient hat, dass wir angesichts wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Transforma-tionen neue Modelle der Teilhabe und der Selbstorganisation brauchen, um Kunst, Kultur und Öffentlichkeit in Kontext der Stadt weiterhin zu ermöglichen und zu leben.

Aber warum Europäische Kunsthalle Köln? Der Bezugsrahmen urbaner Kultureinrichtungen hat sich europäisch erweitert. Und wenn wir das Projekt einer Kunsthalle für Köln neu und konsequent angehen wollen, dann bewegen wir uns im Kontext pluraler, europäischer Kulturen und dem Prozess ihrer Selbstbestimmung. Europa als vielgestaltige Lokalität, die den Kräften der Globalisierung etwas Heterogenes entgegensetzen kann; different, experimentell, auch zerstritten - das ist heute Teil unserer Möglichkeiten. Dies gilt nun umso mehr seit der Erweiterung unseres Horizonts nach Osten. Weiter führende Antworten auf die Fragen der Konstitution, der Praktiken und der Selbstbehauptung zeitgenössisch orientierter, kultureller Institutionen werden wir nur im europäischen Kontext finden können. Die Europäische Kunsthalle Köln ist also ein konkreter Versuch, tragfähige Modelle des Lokalen im Findungsprozess europäischer Kultur zu entwickeln.

Auf dem Weg aus dem Kölner Loch zum Modell und in die Wirklichkeit werden wir - die Initiative und der Verein - noch im Sommer 2004 einen international besetzten Gründungsrat einrichten, dessen Zusammensetzung die gegenwärtige Vielfalt zeitgenössischer Ausstellungspraktiken und urbaner Diskurse abbilden wird. Aufgabe des Gründungsrats wird es sein, kompetente KandidatInnen für die Position eines Gründungsdirektors vorzuschlagen und zur Diskussion zu stellen. In einem öffentlichen Hearing werden die BewerberInnen ihre Basiskonzepte für die Modellphase einer Europäischen Kunsthalle Köln darlegen und wird der Gründungsrat über die Berufung entscheiden.

Was wird, was kann die Aufgabe des Gründungsdirektorats sein? Selbstverständlich ist die Ausgangslage paradox. Das Loch e.V. und die Initiative sind weder kommunalpolitisch autorisiert noch gibt es einen konkreten Ort für eine Kunsthalle. Aber genau darum geht es: um die Entwicklung von neuen Möglichkeiten der kulturellen Selbstkonstitution und der dafür hilfreichen Netzwerke. Der/die Gründungsdirektor/in wird kompetent und Richtung weisend an der strukturellen und konzeptionellen Definition der Europäischen Kunsthalle Köln als Ort zeitgenössischer Kunst und Diskurse arbeiten; mit Blick auf die veränderten Bedingungen politischen Handelns, kultureller Produktion, ökonomischer und urbaner Strukturen; dies wiederum im Kontext einer gemeinsamen und differenten Formulierung europäischer Kultur.

Die Einrichtung der Europäischen Kunsthalle Köln als anfangs symbolisches, dann faktisches und temporäres Projekt hat demonstrativen und experimentellen Charakter. In einem gegenwärtig realistischen Maßstab etabliert sie sich als Arbeits- und Denkmodell, an dem die Programmatik einer zukünftigen Europäischen Kunsthalle Köln in angemessener Größen-ordnung ablesbar wird.

Der gemeinnützige Verein Das Loch e.V. stellt die Durchführung und Finanzierung des Gründungs- und Bewerbungs-verfahrens sicher - ein Dank dafür an alle Freunde und Förderer. Das Bewerbungsverfahren soll im November 2004 abgeschlossen sein. Für die Modellphase der Europäischen Kunsthalle Köln wird in Absprache mit dem Gründungsrat ein Jahresetat festgesetzt, der durch Spenden, Kunstauktionen und europäische Fördermittel aufgebracht werden soll. Am 02. Oktober 2004 wird eine erste große Kunstauktion stattfinden, zu deren Unterstützung wir hiermit einladen.

Das Projekt und alle, die es mittragen und unterstützen, stellt sich in die Tradition bürgerschaftlichen Engagements und denkt sie neu. Wir gehen in Vorlage, ohne die Entscheidungsträger der Stadt aus der Verantwortung zu entlassen: sie werden sich zu dem Modell verhalten müssen.

Initiative Josef-Haubrich-Forum / Das Loch e.V., der Vorstand

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