Initiative Haubrich-Forum too late Das Loch European Kunsthalle


Aktuell:

Zeitung 2006 Editorial
2006 - wie die Zeit vergeht… Immerhin, die Stadt Köln hat inzwischen einen Kulturdezernenten, es fallen Entscheidungen. Zeit für erneute Einmischung. "2006" ist die dritte Zeitung, mit der das Loch e.V. den kulturellen und städtebaulichen Diskurs in Köln anregen und zuspitzen will. Nach den beiden Ausgaben "2010" (zum notorischen ›Kölner Loch‹ und den Parametern partizipativer Stadtplanung) und "2004" (zur Benefizauktion für die Gründung der European Kunsthalle) befasst sich dieses Heft ausschließlich mit den aktuellen Bedingungen von Oper als Institution innerhalb des städtischen und bürgerlichen Lebens.
Dass die Fragestellung um Erhalt, Sanierung oder Abriss der Kölner Oper und ihren Neubau an dem alten oder einem neuen Standort in den beiden zurückliegenden Jahren vergleichsweise breit diskutiert wurde, hat möglicherweise auch mit einer öffentlichen Sensibilisierung zu tun, die nach den administrativen Peinlichkeiten um das ›Kölner Loch‹ entstanden ist. Inzwischen haben sich die städtische Kulturpolitik und der Stadtrat eindeutig zu einer umfassenden Sanierung der Oper am gegebenen Standort und einem Neubau des Schauspiels positioniert. Doch man gewinnt den Eindruck, als ob es nur noch darum ginge, den Fahrplan zu dieser auf breiter Linie begrüßten Lösung einzuhalten. Zeit also, die Parameter einer solch entscheidenden Weichenstellung herauszuarbeiten und zu beleuchten.
Denn was meint eigentlich ›Sanierung der Oper‹? Wird damit ein Gesellschaftsmodell, das die Oper hervorgebracht und getragen hat, gleich mitsaniert? Welche Praktiken und Perspektiven des Inszenierens erfordert eine Oper in und mit Zukunft? Wie viel ›Apparat‹ braucht sie und welche Strukturen der Organisation können nachhaltig praktikabel werden? Welche Formen des Öffentlichen und welches Publikum werden adressiert und erkennen sich in welchen Modellen von Inszenierung und Repräsentation? Der ›Krise des Publikums‹, so der Ausgangspunkt eines Gesprächs zwischen Elisabeth Schweeger und Heiner Goebbels, ist mit einer Anbiederung an einen vorausgesetzten Publikumsgeschmack nicht beizukommen. Im Gegenteil, argumentieren auch Christoph Schlingensief und Gerard Mortier, die eine Lanze brechen für anspruchsvolle Produktionen, die sie nicht als ausschließlich ›elitär‹ oder ›populär‹ bezeichnen wollen, aber deutlich abgrenzen gegenüber populistischen Ansätzen.
Und schließlich: Wo - diese Frage beschäftigt u.a. Manos Tsangaris und Carola Bauckholt - kann und soll Oper und Musiktheater stattfinden? In anderen Worten: Was bedeutet Oper heute für den urbanen Raum als gesellschaftlichen Raum, für seine Qualität und Nutzung? An der Oper, dem "Kraftwerk der Gefühle", so Alexander Kluge in "Die Opernmaschine", lassen sich Anspruch und Wirklichkeit bürgerlicher Gesellschaften exemplarisch diskutieren, zeigen sich ihre Risse und Transformationen.
Die Zeitung "2006" befragt und beleuchtet in vier Gesprächsrunden Produktions- und Rezeptionsbedingungen von Oper und Musiktheater. Saskia Sassen untersucht in ihrem Essay, wie sich die kulturellen Gestaltungsräume von Individuen und Gruppen in globalisierten Städten verändert haben. Und über das Heft verteilt finden sich Materialien und Modelle eines Entwurfsseminars, in dem Studierende an der Bergischen Universität Wuppertal die stadträumlichen und produktiven Bedingungen der Oper in Köln untersucht haben.
Bernd Kniess, Kathrin Luz, Meyer Voggenreiter, Astrid Wege

Zeitung 2006

Zeitung 2006 (Download als Pdf-Datei / ca. 7 MB)